Meine Großtante Anna Jäger

Heute möchte ich euch meine Großtante Anna Jäger vorstellen. Auch wenn Sie schon lange nicht mehr lebt. Ich habe sie als tolle Persönlichkeit in Erinnerung. Als Kind war ich bei jeder Gelegenheit in ihrem Atelier. Na ja, Atelier. . . .

Es war ein großer heller Raum in dem es immer nach Farben roch, nach Terpentin und Firnis. Dort malte sie, dort stand ihr Bett, eine Kochnische und einfach alles, was ihr eigentlich eher asketisches Leben ausmachte. Meistens hörte sie Musik von Louis „Satchmo“ Armstrong, was mich als junges Mädchen an meiner alten Tante natürlich besonders beeindruckte. Bei ihr lernte ich, Schwarztee mit Butter aus feinstem China-Porzellan zu trinken. Und außerdem hatte sie immer lässige selbstgeschneiderte Klamotten an.

Geboren wurde Anna Jäger am 17. April 1899 als zweites von vier Kindern aus dem alten Oberstdorfer Geschlecht der "Geagl". Ihre künstlerische Ader hatte Anna wohl von Großmutterseite geerbt: Familie Zobel, die durch mehrere Generationen immer wieder Kunstschmiede und Schlosser hervorbrachte. Auch Dominikus und Augustin Zobel, welche das Chorgitter im Wiener Stefansdom schmiedeten. Auch Bildhauer und Maler Wilhelm Berktold entstammte dieser künstlerisch veranlagten Sippe. Mit Anna Jäger verbanden ihn die gemeinsamen Urgroßeltern.

Nach der Volksschule erlernte Anna das Schneiderhandwerk. Ihre Prüfung legte sie 1925 in allen Fächern mit der Bestnote "Hervorragend" ab. Von 1925 bis 1930 besuchte sie in München in der staatlichen Kunstgewerbeschule die Klasse für angewandte religiöse Kunst unter Professor Franz Klemmer: Freskomalerei, Batik, Mosaik, Glasmalerei und Paramentik gehörten zu ihren Fächern. Anschließend belegte sie mehrere Semester an der Akademie der bildenden Künste in München und beteiligte sich dort erfolgreich an Kunstausstellungen.

Auch den Lehrern fiel die junge Frau aus Oberstdorf auf. Dies geht aus Briefwechseln mit Professor Franz Klemmer hervor, mit Kirchenmaler und Restaurator Hias Cronwitter, mit Professor Max Spielmann (Innsbruck), mit Kunstmaler und -lehrer Hans Prinster (Meran) und mit Adolf Lehmann (München).

1935, im Alter von 36 Jahren, kehrte Anna Jäger aus Heimatliebe nach Oberstdorf zurück. Für sie, hauptberuflich Malerin, sicher keine gute Entscheidung. Ihr moderner, großzügiger Malstil stieß damals auf wenig Verständnis. Um Ihren Bekanntheitsgrad auszubauen, fehlte das Umfeld für größere Arbeiten und Aufträge.
Die Maltechniken von Anna Jäger waren vielschichtig: Kohlezeichnungen, Aquarelle, Ölfarben, am liebsten aber Tempera, mit dem Mörser selbst hergestellte Naturfarben aus Mineralien, welche nach einem Überzug mit Firnis große Leuchtkraft und Intensität erhielten.

Oft ging die zierliche Frau, ausgerüstet mit Malzeug und Leinwand, auf einsamen, gefährlichen Pfaden in die Bergwelt, um ihre Höfats oder Trettach von allen Seiten im Bild festzuhalten. Oder um auf dem sogenannten Heubaum am Linkerskopf einen uralten Ahornbaum zu malen.

Es entstanden Portraits, Blumen- und Landschaftsbilder, doch immer wieder befasste sie sich mit religiösen Themen, was auf ihre tiefe Gottverbundenheit zurückzuführen war. Auch fertigte Sie Mosaiken mit Steinen, die sie ausschließlich aus unseren drei heimischen Flüssen Trettach, Stillach und Breitach sammelte. Geradezu Ablehnung rief sie 1953 hervor, als sie für das Grabmal ihres Schwagers, meines Opas Karl Schedler, einen modernen, bartlosen Christus am Kreuz schuf. Heute noch zu sehen auf dem Oberstdorfer Waldfriedhof.

Herrliche Stick- und Handarbeiten entstanden ebenfalls in Ihrer Werkstatt, wo sie mit bewundernswerter Ausdauer und Selbstdisziplin arbeitete. Neben Messgewändern, die sie entwarf und ausarbeitete, bestickte sie zahlreiche Mieder und Hosenträger für die historische Tracht. Ein Muttergottesgewand für St. Loretto befindet sich heute im Oberstdorfer Heimatmuseum.

Wie aus einer unerschöpflichen Quelle sprudelten Ihre Ideen, die sie verstand, in Form zu bringen und sichtbar zu gestalten. Bei jeder Gelegenheit bettelte ich ihr schon als Kind Zeichnungen, oft nur Skizzen auf zerschlissenem Papier, ab. Heute, über 30 Jahre später, sind sie in angemessenen Bilderrahmen in unserem Haupthaus zu sehen.

Ein immenses Allgemeinwissen, verbunden mit großer Toleranz und Offenheit für andere Weltanschauungen und Ansichten, paarte sich bei Anna Jäger mit großer Menschen-, Tier- und Naturliebe. Sie besaß die wunderbare Gabe des Zuhörens ebenso wie die Freude an der Diskussion. Wie soll man einen Menschen von diesem Format und mit so vielen Talenten angemessen beschreiben?
Im Juli 1981 vollendete die bescheidene, hochbegabte Künstlerin ihr nahezu asketisches Leben. Auf mich hat sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

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