Noch stehen die Tiere oben auf den Alpen. Noch ziehen die Tage ruhig über die Bergwiesen, und der Sommer fühlt sich an, als könnte er einfach so weitermachen.
Doch gegen Ende August verändert sich etwas. Im Tal wächst die Vorfreude, auf den Alpen rückt der Abschied näher – und langsam beginnt das Allgäu, sich auf seine fünfte Jahreszeit vorzubereiten: den Viehscheid.
Nach rund 100 Tagen kehren die Herden im September von den Alpen zurück. Für die Älpler liegen dann Wochen voller Arbeit und Verantwortung hinter ihnen. Wenn Mensch und Tier gesund im Tal ankommen, ist das vor allem eines: ein Grund, dankbar zu sein – und später gemeinsam bei einer kühlen Halben darauf anzustoßen.
Nur wenn der Alpsommer ohne Unglück geblieben ist, führt das festlich geschmückte Kranzrind die Herde an. Schon von Weitem hört man die großen Schellen. Erst ganz leise, dann immer näher – bis die Tiere ins Tal ziehen und auf dem Scheidplatz wieder ihren Besitzern übergeben werden.
Und weil nicht alle Alpen am selben Tag heimkehren, zieht sich die fünfte Jahreszeit durch den September: am 11. September in Schöllang und Bad Hindelang, am 12. September in Oberstdorf, am 19. September in Obermaiselstein und am 22. September in Bolsterlang.
Vielleicht ist jetzt ein guter Moment, einmal durch den Septemberkalender zu blättern. Zwischen spätem Bergsommer und gelebtem Allgäuer Brauchtum gibt es kaum eine schönere Zeit für ein paar Tage in Oberstdorf.